„Was haben wir getan?“ Regungslos saß Drago am Rande der Klippe über den endlosen Wäldern im Norden des Kaiserreiches.
Er wusste das die anderen hinter ihm warteten. Aber er konnte seinen Blick nicht von dem abwenden was sich dort, einige hundert Meter unter ihm, abspielte.

Die gewaltigen Wälder standen in Flammen und immer wieder drang das Klirren der Waffen zu ihm hinauf.
Langsam stand der alte Druide auf. „Haben wir wirklich keine Wahl gehabt?“ Sie wussten beide die Antwort und Drago erwartete auch keine Antwort von Jasmin.
Die Hexe stand nur wenige Schritte hinter ihm.
Vor ihren glasigen Augen zogen immer wieder die Ereignisse des letzten Tages vorbei.
„Wenn wir nicht bald handeln wird es zu spät sein.“

Aufgebracht lief der junge Druide vor den versammelten Hexen und Druiden auf und ab. Schon seit Tagen näherte sich das gewaltige Heer des Kaiserreiches.
Und genau so lange diskutierten sie schon hier, im Herzen des Waldes, darüber was sie tun konnten. Die Diener der alten Götter wussten was passieren würde.
Der Kaiser würde es nicht dulden das sich Flüchtlinge hier versteckten.

Seit dem Sieg über die dunklen Mächte wurde nichts weiter toleriert als die himmlische Macht.
Jeder Diener der alten Götter wurde unbarmherzig gejagt und in jeder Nacht erhellten neue Scheiterhaufen den Himmel über dem Kaiserreich.
Die wenigen die den Truppen des Kaisers entfliehen konnten flüchteten hier her.
Im Schutz der Bäume hofften sie vergessen zu werden. Doch unaufhaltsam rückten die Truppen des Kaisers vor.
„Wir sind gerade mal zwei Dutzend Menschen. Alles einfache Bauern und Handwerker, sowie Frauen und Kinder. Das Heer des Kaisers zählt mehr als 100 Mal so viele Soldaten. Was glaubst du wohl können wir gegen eine solche Übermacht ausrichten?“
Drago kannte die Position des jungen Druiden. Kaum mehr als hundert Sommer alt glaubte er immer noch gegen diese Macht bestehen zu können. Er glaubte das Heiligtum der alten Götter schützen und verteidigen zu können.
Doch Drago wusste das sie nicht würden kämpfen können. Sie waren einfach zu wenige. Schwer auf ihren Stab gestützt trat eine gebeugte Gestalt vor.

Drago hatte den Druiden noch nie zuvor gesehen. Leise legte er ein dickes, in schwarzes Leder gebundenes Buch auf den Waldboden und begann mit zittriger Stimme zu sprechen. „Einen Weg gibt es um uns alle zu retten. Dieses Ritual stammt aus dem Buch Rangox.“
Ein aufgeregtes murmeln ging durch die Reihen der Hexen und Druiden.
„Es ist eure Entscheidung ob ihr es wagen wollt. Es kann euch alle retten.“
Langsam trat der unbekannte Druide zurück in die Reihen der Anwesenden.
Längst war er zwischen den Bäumen verschwunden als Drago seinen Blick von dem Buch abwenden konnte. Ein Ritual aus dem Buch Rangox.
Drago wusste bis zu diesem Zeitpunkt nicht einmal das überhaupt etwas von diesem Buch die Zeit überdauert hatte.

Zögernd hob er das Buch auf und betrachtete die aufgeschlagene Seite. Das Blut wich aus seinem Gesicht. Wie lange er auf diese Seite gestarrt hatte wusste er nicht zu sagen.
Er spürte nur wie ihm eine junge Hexe das Buch aus der Hand nahm und begann daraus vor zu lesen. Schweigen trat ein als die letzten Worte verklungen waren.
„Nicht EINEN Gedanken dürfen wir an die Durchführung dieses Rituals verlieren.“
Leise fast bittend wand Drago sich an die Anwesenden.
„Verbrennt das Buch oder vergrabt es. Aber dieses Ritual dürfen wir nicht durchführen.“
Mit einigen schnellen Schritten trat der junge Druide vor und nahm das Buch an sich. Sein Gesicht strahlte als er sich an die Anwesenden wand.

„In einem Traum sah ich den Himmel über den Wälder sich verfinstern. Doch stand ein Stern über dem Herzen des Waldes. Dieses Ritual ist ein Geschenk. Ein Geschenk an uns. Wieso sollten wir es nicht einsetzten.“
Langsam drehte sich der Druide im Kreis und blickte von einem zu andern.
„Ja, der Preis ist hoch. Aber ist er wirklich höher als unser Leben? Ich sage, lasst uns das Ritual gegen unsere Feinde einsetzten. Und wir werden die Wälder zu verteidigen wissen. Last uns darüber abstimmen.“
Leise erhob Drago Einwände: „Nicht wir sind es die darüber zu entscheiden haben. Es sind die Flüchtlinge die den Preis zu zahlen haben.“
„Und wir sind bereit diesen Preis zu zahlen.“

Drago schloss die Augen als er die Stimme des Sprechers der Flüchtlinge erkannte. Er wusste wie die Versammlung abstimmen würde. Es ließ sich nicht mehr verhindern. Der volle Mond stand über der Lichtung. Schon seit Anbruch der Nacht war das Klirren der Waffen und Rüstungen zu hören. Drago wusste das der Angriff im ersten Morgengrauen erfolgen würde. Fast lautlos trat Jasmin neben ihn.
„Komm, es ist alles vorbereitet.“ Zärtlich legte sie ihre Hand auf seine Schulter. „Ich teile deine Bedenken. Aber haben wir denn eine Wahl?“
Drago wusste die Antwort. Die einzige Alternative war der Tod.

Langsam, mit gesenktem Kopf betrat er die Lichtung. Die Flüchtlinge standen im Kreis um das große Feuer. Nackt und am ganzen Leid zitternd. Es war so einfach, so simpel. Drago zitterte bei dem Gedanken daran wie große die Auswirkung eines so einfachen Rituals waren. Vorsichtig füllte Drago etwas von dem Kräutersud in die Holzschale und streute vorsichtig eine Prise des feinen Pulver hinein.
Er wusste wie Wertvoll dieses Pulver war. Niemand wusste wo das magische Erz her kam aus dem das Pulver gewonnen wurde.
Leise fuhr Drago mit der Hand über die Schale und murmelte dabei die rituellen Formeln. Dann reichte er die Schale dem ersten der Flüchtlinge und reihum nahm jeder von ihnen einen tiefen Schluck von der Flüssigkeit.
„So einfach.“, fuhr es Drago noch einmal durch den Kopf, „Und doch unumkehrbar.“ Schmerzensschreie rissen ihn aus seinen Gedanken.
Der Trank entfaltete seine Wirkung. Drago konnte seinen Blick vor Entsetzten nicht von dem Flüchtling abwenden. Wie Schweiß drang das Blut durch die Poren seiner Haut und langsam bildeten sich kleine Tropfen die sich ihren Weg über seinen Körper suchten.
Drago wusste was da passierte. Die Macht der alten Götter hatte den magischen Trank verwandelt.

Nun würde die Macht der Natur durch die Adern der Flüchtlinge pulsieren und das menschliche Leben aus ihnen heraus pressen.
Immer lauter wurden die Schreie. Der Boden war vom Blut der Menschen getränkt.
Von einer entsetzlichen Neugierde getrieben trat Drago näher an den sich am Boden windenden Flüchtling heran. Je mehr das Blut seinen Körper verließ umso mehr verfärbte sich seine Haut. Zuerst war es nur ein kränklicher grüner Schimmer.
Doch schon nach kurzer Zeit nahm die Haut eine kräftige grüne Färbung an. Und mit jeder Nuance die sich die Haut verfärbte veränderte sich auch der Körper.
Er schien auf zu quellen. Die Muskel wuchsen und schon nach kurzer Zeit hatten die Oberarme des Flüchtlings einen Umfang erreicht den Drago noch niemals bei einem Menschen gesehen hatte. Die Schreie waren verstummt und zwei Dutzend Flüchtlinge lagen erschöpft und blutüberströmt am Boden.
Nicht alle hatten sich verwandelt, einige sahen noch immer fast Menschlich aus.

Bis auf einen kränklich grünen Ton sah man an ihnen keine Veränderung. Andere hingegen waren kaum noch Menschlich zu nennen. Weit über zwei Meter groß und so breit wie zwei kräftige Menschen hatten sie sich in grauenhafte Bestien verwandelt.
Gewaltige Hauer ragten aus ihren entstellten Gesichtern. Drago glaubte den Boden beben zu spüren als das größte der Wesen auf ihn zu trat.
Nur schwer waren seine Worte zu verstehen als er Drago sagte das es alleine ihre Entscheidung gewesen sei.

Mit einem leichten Nicken wand Drago sich um und ohne zurück zu blicken verließ er die Lichtung gefolgt von den Hexen und Druiden.
Jasmin folgte ihm. Immer wieder versuchte sie sich ein zu reden das ihrer aller Leben es Wert war das sie diese Wesen geschaffen hatten.
Jasmin schreckte aus ihren Gedanken auf als sie Dragos Hand auf ihrer Schulter spürte.

„Las uns gehen solange die Flüchtlinge die Truppe aufhalten.“ Schwer drückten die Ereignisse dieser Nacht auf die Gemüter der Hexen und Druiden als sie die Wälder verließen. Etwas die hälfte Flüchtlinge begleitete sie.
Niemand wusste warum das Ritual sie nicht ebenfalls entstellt hatten.

Und niemals würde Drago ihnen die schreckliche Wahrheit sagen. Niemals würde Drago ihnen sagen das auch sie sich verändert hatten.
Nur hatte die Kraft des Erzstaubs bei ihnen nicht mehr ausgereicht. Doch würde schon eine weitere Berührung mit diesem magischem Erz ausreichen um sie ebenfalls zu verwandeln. Um sie zu verwandeln und ihre Kinder und Kindeskinder.
In dieser Nacht hatten sie mehr getan als nur einige Menschen in Monster zu verwandeln. Sie hatten eine neue Rasse geschaffen.

Im Schatten der Bäume stand eine gebückte Gestalt. Die rituelle Kleidung der Druiden hatte sie längst gegen Robe des schwarzen Erzmagisters getauscht. Er hatte genau gewusst dass die Druiden das Ritual durchführen würden als er ihnen das Buch mit dem Ritual brachte.
Somit war ein weiterer Teil seines Plans gelungen. Sollten sich diese Ungläubigen doch gegenseitig Auslöschen.
Danach wäre der Weg dann endlich frei für die dunkle Macht.

Änderungen und Bugfixes

  • May 8, 2019 | 12:42

    Es gibt 7 Hundehalsbänder:Halsband der Stärke (Erhöht die Stärke des Hundes um 15)Halsband der Geschicklichkeit (Erhöht Ausdauer und Geschicklichkeit des[…]

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  • April 4, 2019 | 17:27

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